Wer arbeiten geht, der hat auch genügend Geld. Das kann man so nicht sagen, denn viele Menschen leben an der Armutsgrenze, obwohl sie einer geregelten Arbeit nach gehen, die oftmals sogar körperlich sehr hart ist. Zwar sind zum Schutz der Arbeitnehmer in Deutschland für einzelne Branchen und Berufe bestimmte Mindestlöhne etabliert, doch ist dies auch kein Allheilmittel. Mag eine Einzelperson mit dem erarbeiteten Mindestlohn vielleicht noch über die Runden kommen, so sieht es schon ganz anders aus, wenn der Verdiener auch noch für eine Familie aufkommen muss. Nicht selten wird ein Großteil der Einnahmen dann zum Beispiel schon für die Miete benötigt. Bereits am Essen muss gespart werden, und für außerplanmäßige Anschaffungen bleibt kein Budget mehr übrig.
Die Gründe für diese Entwicklung sind ebenso vielfältig wie miteinander verwoben. Unternehmen sind auf Wirtschaftlichkeit bedacht und leider keine sozialen Organisationen. Deshalb versuchen sie auch, bei den Arbeitslöhnen so sehr zu sparen, wie es nur möglich ist. Vielfach beschäftigen sie wechselnde Leiharbeiter, für die sie keine oder nur geringere Kosten wie Sozialversicherung, Gesundheitsvorsorge und Rentenbeiträge bezahlen müssen. Dabei ist die Beschäftigung von Leiharbeitern ein durchaus legales Mittel, um Personalkosten gering zu halten. Auch das immer mehr steigende Angebot an Billigarbeitskräften trägt seinen Teil bei. Das Überangebot an freien Arbeitnehmern, die gerne auch für einen geringeren Lohn arbeiten, damit sie überhaupt einen Arbeitsvertrag bekommen, drückt das allgemeine Lohnniveau.
So kann es heute also sein, dass ein Arbeiter für dieselbe Arbeit weniger Gehalt bekommt als noch vor einigen Jahren. Nach Abzug aller Beiträge bleibt ihm unterm Strich dann manchmal sogar weniger als einem HartzIV-Empfänger. Die Frage, ob es sich lohnt, unter solchen Bedingungen dann überhaupt noch arbeiten zu gehen, ist berechtigt. Wer arbeitet, wird in diesem Fall nicht unbedingt dafür be- oder auch nur entlohnt. Viele Arbeitnehmer – auch in Deutschland – haben nur noch einen sehr geringen Spielraum, da sie sehr wenig verdienen, obwohl sie einer harten und ehrbaren Arbeit nach gehen.
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